Power to the people | Märkte
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Die Welt ist VUKA

Die Welt verändert sich mit hoher Geschwindigkeit und wir müssen uns von vielen Gewissheiten verabschieden, die noch vor kurzem unser Leben bestimmt haben. Wir erleben unsere Demokratie und den Kapitalismus in der Krise, mit all den Folgen für Migration, Verelendung und Radikalisierung. Die Natur zeigt immer deutlicher ihre Erschöpfung. Die digitale Revolution verändert unser bisher bekanntes Arbeitsmodell. Und schlussendlich wird offenbar, dass alles, was auf dieser Erde passiert, überall eine Wirkung erzielt. Egal ob wir an die Schäden in der Natur, an die religiösen und ethischen Konflikte oder an Hungersnöte denken, wir sind immer alle mitbetroffen, auf die eine oder andere Art und Weise. Unsere Welt ist VUKA: Volatil, Unsicher, Komplex, Ambivalent.

 

volatil

Der Gesamtbetrag des weltweiten Devisenhandels hat 2010 1,5 Billiarden betragen. In der Realwirtschaft wurden im gleichen Zeitraum 20 Billionen umgesetzt; das entspricht etwa 1,33% des weltweiten Devisenhandels. Dieser von der Realwirtschaft abgekoppelte Devisenhandel ist damit überwiegend spekulativ und der Nährboden für Finanzblasen, die die Stabilität der Realwirtschaft gefährden. Durch diesen großen Unterschied haben sich in den letzten 50 Jahren eine Reihe von Finanzkrisen ergeben, wie die Amerikanische Schuldenkrise 1980, die Asiatische Finanzkrise 1997, die Dot-Com-Blase 2000, die US Hauskredit-Krise 2006, die Weltfinanzkrise 2007 und die Euro-Krise 2010, die bis heute ungelöst ist.

 

unsicher

Das reichste eine Prozent der Menschheit besitzt 40% des weltweiten Vermögens. Gleichzeitig geht ein Achtel der Menschheit weltweit hungrig zu Bett und knapp 2,5 Milliarden Menschen leben von weniger als 2,35 Euro am Tag. Dieser große Unterschied führt zu Migrationsbewegungen, weil die armen Menschen keine Hoffnung mehr in ihrem eigenen Land sehen oder von Hunger, Terror oder Krieg bedroht sind. Zur Zeit gelten weltweit etwa 210 Millionen Menschen als Migranten; das entspricht (nur!) 3% der Weltbevölkerung. Gleichzeitig führt diese Fluchtentwicklung zu Abschottung der Immigrationsländer und zur Schwächung der Demokratie. Die Menschen fühlen sich wirtschaftlich und kulturell verunsichert und suchen nach Identifikation und Orientierung in Religionen, Nationen oder populistischen Führern.

 

komplex

Die Überbeanspruchung von fruchtbarem Boden hat zu einem Verlust von einem Drittel unseres Agrarlandes innerhalb einer Generation geführt. Daneben hat sich während des 20. Jahrhunderts der globale Bedarf nach Frischwasser versechsfacht während sich gleichzeitig das Angebot verknappt hat. Und 1995 bis 2006 wurden bis auf eines als die wärmsten jemals gemessenen Jahre festgestellt. Höhere Temperaturen führen zu Extremwettern wie Dürren und Überschwemmungen und beeinträchtigen negativ die Agrarwirtschaft und Infrastruktur überall auf der Welt. Die Überbeanspruchung der Natur beeinflusst das Leben aller Menschen auf dieser Erde gleichermaßen auch wenn die zeitlichen und räumlichen Zusammenhänge noch nicht vollständig verstanden werden.

 

ambivalent

Wir erleben seit zwei Jahrzehnten die digitale Revolution und die Entwicklung beschleunigt sich noch. Es kommen Innovationen auf den Markt, die althergebrachte Branchen überflüssig machen. Die Produktion von Schallplatten, Kassetten oder CDs wurde weitestgehend ersetzt durch den Online-Verkauf von Audios oder Videos. Smartphones haben das Mobiltelefon ersetzt. Benzin- und Dieselmotoren werden durch Elektromotoren ersetzt. Und im Bankgeschäft gibt es keinen Prozess, der nicht durch eine Software ersetzt werden könnte. Dieser Fortschritt betrifft generell alle Routineprozesse. Darüberhinaus wird zukünftig künstliche Intelligenz auch dazu in der Lage sein, das Computer und Roboter ein emotionales Empfinden ausdrücken können. Diese Entwicklung hat Folgen für eine ganze Reihe heute bekannter Berufe, wie Steuerberater, Rechtsanwälte, Ärzte etc. Gleichzeitig entstehen aber auch neue Industrien, wie die Gaming-Industrie und neue Berufsfelder wie den Scrum-Master.

 

Wir leben in einer Zeit des disruptiven Umbruchs. Viele Selbstverständlichkeiten und Gewissheiten haben heute keine Gültigkeit mehr. Eine neue Weltordnung ist im Entstehen, die ein Unternehmen als Herausforderung verstehen und nutzen kann bzw. muss. Dafür braucht es neue Formen der Unternehmens- und Mitarbeiterführung und eine Kommunikation, die neben unserem Intellekt auch unser Herz berührt.

 

 

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digitale Revolution 4.0

Die Welt verändert sich und niemand regt sich auf.

Im Rückblick erscheinen uns Veränderungen selbstverständlich und einer Logik folgend. So wurden zum Beispiel in Europa die ersten Verkehrsampeln in den 1920er Jahren aufgestellt. Anfänglich noch in Einzelfertigung, dann in Serienfertigung hergestellt, ersetzten sie zunehemend die verkehrsregelnden Schutzleute. Diese Entwicklung folgte dem Anstieg des Verkehrsaufkommens. Die Ampel entwickelte sich mit der Zeit zur Massenware. Heute haben die Anbieter für Lichtsignalanlagen die Aufgabe, den Verkehrsfluss über ganze Stadtgebiete zu steuern und deren Wartung sicher zu stellen. Es regt sich niemand auf, dass die ehemaligen Schutzleute eines Teils ihrer Aufgaben enthoben wurden oder dass die Fertigung von Lichtsignalanlagen in automatisierten Fertigungsprozessen nur noch durch einen Bruchteil der früher benötigten Arbeiter erfolgt.

 

Die Welt verändert sich und niemand regt sich auf.

Es ist noch nicht einmal 20 Jahre her, da wurde in Deutschland jeder als Snob bezeichnet, der mit einem Laptop oder Handy in der Straßenbahn gesichtet wurde. Facebook, die zur Zeit weltweit größte Kommunikationsplattform auf der Welt, hat sein 10 jähriges Bestehen gerade erst vor einem Jahr gefeiert und das erste Smartphone wurde zum ersten Mal 2007 in den Markt eingeführt. Diese Veränderungen waren frapierend, schnell und veränderten grundlegend unser Leben. Wir nehmen diese Veränderungen selbstverständlich hin und nutzen ihre Möglichkeiten. Es gibt zwar ein paar „Zurückgebliebene“, jene, die sich standhaft einem Facebook-Account verweigern oder immer noch auf ihrem Nokia 7020 rumtippen. Aber im großen und ganzen sind wir angekommen in der Gegenwart.

 

Die Welt verändert sich und niemand regt sich auf?

Im Blick nach Vorne kann es einem schon mal die Sprache verschlagen, wenn wir uns damit auseinandersetzen, was uns die neuen IT-Technologien versprechen. Das Internet der Dinge und selbstlernde Algorithmen kommen zunächst einmal abstrakt daher, werden aber einen erheblichen Einfluss auf unser Leben bekommen. Selbstlerndene Algorithmen werden Routineaufgaben verdrängen. Sich wiederholende Tätigkeiten, die wenig geistige Eigenleistung und Flexibilität verlangen, werden durch Softwareprogramme ersetzt. Sachbearbeiter, Finanzbeamte, Lehrer, Rechtsanwälte und Steuerberater, selbst Mediziner können sich heute nicht mehr sicher sein, in zehn, zwanzig Jahren ihren Job noch (vollzeit) ausführen zu können. Übersetzter benötigen ein vollkommen neues Betätigungsfeld, wenn sich Übersetzungssprachprogramme in Echtzeit etablieren. Mit selbstfahrenden Autos braucht es keine Taxi- und LKW-Fahrer mehr. RFID-Chips auf Produkten machen Kassierer an den Kassen oder Mitarbeiter in Logistikcentern überflüssig. Es gibt Untersuchungen, die behaupten, dass in den nächsten 20 Jahren 40-50% der Menschen in einer anderen Tätigkeit stehen werden als heute.

 

Das ist ein beeindruckender Veränderungsprozess, der vor allem eines braucht, eine Diskussion darüber, wie wir diese Umwälzungen gesellschaftlich meistern wollen. Welche gesellschaftlichen Rahmenbedingungen unterstützen Flexibilität, Integration und Innovationsfreude? Welche (halb-) staatlichen Institutionen und Gesetze unterstützen Veränderungen, welche unterminieren sie? Wie durchlässig ist das Bildungssystem für untere Schichten und wie gut integriert das System Migranten? Wieviel Patente melden die Einwohner an und wie attraktiv ist es, unternehmerisch tätig zu werden? In einer Umwelt mit hoher Komplexität und hoher Veränderungsdynamik können die Lösungen nicht zentral entwickelt und initiiert werden. Es braucht Führung durch Alle, kollektiv Leadership und damit die Übernahme von Verantwortung durch jeden von uns, für sich selbst und die Gesellschaft!

 

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Sharing Economy

„Sharing Economy ist die Zukunft!“ Das sagt Jeremy Rifkin und Jeremy Rifkin ist ein amerikanischer Autor, der sich Gedanken um die Zukunft macht („Die Null-Grenzkosten-Gesellschaft“, 2014).  Er sagt, wir stehen direkt am Anfang einer Revolution, wenn wir uns nicht schon direkt in ihr befindet. Die Zukunft beschreibt Jeremy wie eine Zauberwelt: die Grenzkosten (dh. die Kosten für jede weitere produzierte Einheit) für Kommunikation, Information, Mobilität und Energie werden in der Zukunft nahezu Null sein. Jeder und Jede können mit sehr geringem Aufwand zum Produzenten von Gütern oder zu Anbietern für Dienstleistungen werden und so, geltlich oder unentgeltlich, ihre Leistungen teilen. Und unsere kapitalistische Produzentenwelt, wie wir sie heute kennen, wird an den Rand gedrängt.

 

Wie kommt er zu diesen Vorstellungen? Jeremy geht davon aus, dass eine Revolution generell von drei Faktoren bestimmt wird. Aus seiner Sicht braucht es einen signifikanten Technologiesprung in den Bereichen Kommunikation/Information, Energie und Mobilität. Dies hat er sowohl in der ersten Revolution im 19. Jahrhundert mit der Einführung des Telegrafen, der Energie aus Steinkohle und der Eisenbahn beobachtet. In der zweiten Revolution entstanden das Telefon, Radio und Fernsehen, Energie aus Rohöl und der Individualverkehr mit Verbrennungsmotoren. Aus seiner Sicht besteht heute nun die Revolution in der Erfindung des Internets und des digitalen Datenaustauschs, der erneuerbaren Energien und in einer automatisierten Logistik und autonom fahrenden Fahrzeugen. Dies stellt die Basis für ein Internet der Dinge, in dem alle Gegenstände durch Sensoren miteinander verbunden sind und durch das Jeder und Jede am Leistungsaustausch teilhaben kann, ohne besondere Marktzugangsschwellen überwinden zu müssen.

 

Dies zeigt sich schon heute. Jeder/Jede hat die Möglichkeit, sein Fahrzeug für eine Mitfahrgelegenheit anzubieten oder sein Gästezimmer zu vermieten. Auf Youtube werden Videos und Musik geteilt. 3-D-Druker bieten die Möglichkeit, jedes Produkt an jedem beliebigen Ort auszudrucken, wenn seine Bauteile in digitaler Form zur Verfügung stehen (selbst Lebensmittel wurden schon ausgedruckt). Jeder/Jede kann zum Produzenten für erneuerbare Energien werden und diese entweder selber nutzen oder über das Netz anderen zur Verfügung stellen. In der Softwareindustrie haben sich die Standards der opensource Codes durchgesetzt und weltweit tätige Großkonzerne in die Defensive gebracht.

 

Diese aktuellen technischen Möglichkeiten werden sich in der Zukunft noch viel konsequenter auswirken. Anbieter wie Airbnb oder Uber wird es in der Zukunft nicht mehr brauchen, weil die Menschen ihre eigenen regionalen Plattformen entwickeln und nutzen. Das Frauenhofer Institut hat ein Modell entwickelt, über das Elektroautos mittels Induktionsspulen in der Fahrbahn permanent Energie aufnehmen, wenn sie anfahren und wieder abgeben, wenn sie bremsen. Und in der Logistik werden Güter autonom von Menschen von A nach B transportiert und die Zwischenlager und Transportfahrzeuge von allen Konkurrenten gemeinsam genutzt, um deren Auslastung optimal zu gestalten.

 

Jeremy Rifkin sieht im Ergebnis eine gerechtere Welt, in der alle die Möglichkeit haben, ihr Glück zu machen, ohne Sorge, nicht ihre Miete oder ihr Essen bezahlen zu können. Er zitiert dazu ein Essay von John Maynard Keynes, dem großen Ökonom des 20. Jahrhunderts und Nobelpreisträgers. In dem beschreibt Keynes, wie Menschen in einer Welt leben, in der ihnen die Maschinen die Arbeit abnehmen und sie sich nur noch für die soziale Gemeinschaft engagieren, um höheren Zielen zu dienen. Dies ist eine schöne Vorstellung von der Zukunft, der ich mich sehr gerne anschließe, auch wenn ich mich, meiner deutschen Seele geschuldet, zu sehr als Realist empfinde, um uneingeschränkt daran zu glauben.

 

Hierzu ein Interview der Zeit mit Jeremy Rifkin hier. Und ein weiterer Beitrag über die derzeitige Beliebtheit der Sharing Economy in Deutschland hier.

 

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